Drei Jahre FreeBSD auf dem Desktop


Ein Erfahrungsbericht


Von Thorsten Geppert am 04.01.2013, geändert 04.01.2013.

Im November 2009 gab es zwischen einem Azubi und mir einen Contest. Wir wollten von Ubuntu auf was spezielleres umsteigen. Er entscheid sich für Gentoo Linux, ich mich für FreeBSD.

Jetzt sind mehr als drei Jahre herum, und ich möchte ein bisheriges Fazit ziehen.

Installiert wurde FreeBSD auf einem AMD Phenom mit vier Kernen. Um mich richtig an das System zu gewöhnen, stattete ich meine beiden Rechner zu Hause, die nahezu baugleich waren mit dem Firmenrechner, ebenfalls ausschließlich mit FreeBSD aus.

Zum Einsatz kam Version 8.x, mittlerweile setze ich 9.1 ein. FreeBSD ist bis heute immer noch mein favorisiertes Betriebssystem auf dem Desktop sowie auf Servern, auf denen wir es schon wesentlich länger einsetzen.

Ich nutze auf den Desktops als Dateisystem UFS 2, mit teils GELI verschlüsselten Partitionen. Auf Servern setze ich auch ZFS ein. Der Kernel und das Userland sind selbst kompiliert und ich nutze die Ports-Collection, um die benötigte Software zu installieren. Zum Installieren und Aktualisieren nutze ich portupgrade. Zur Suche in den Ports portfind, welches ich selbst geschrieben habe.

Ich nutze Xorg mit darauf laufendem WindowMaker, als Terminal Terminator und als Edtor VIM. Ansonsten ist viel Standardsoftware installiert, wie LibreOffice, EOG, Evince, Chrome und Thunderbird, Git und vieles mehr.

Mittlerweile habe ich auf der Arbeit eine schnellere Maschine mit SSDs, die via gmirror gespiegelt werden.

Es gab noch keinen Tag, an dem ich nicht mit FreeBSD arbeiten konnte. Neuinstallieren musste ich es noch nicht, alles läuft tadellos. Bisher ist es das stabilste von mir eingesetzte Betriebssystem, welches sich immer problemlos aktualisieren lies.

FreeBSD kann auf vielfältige Art installiert werden. Ursprünglich wurde sysinstall genutzt, welches mittlerweile als veraltet gilt und durch bsdinstall als Installationswerkzeug ersetzt wurde. bsdinstall ist zwar nicht der Weisheit letzter Schluss, doch ist damit FreeBSD in wenigen Minuten installiert und einsatzbereit. Dennoch vermisse ich die gewohnte Umgebung von sysinstall.

Installieren lässt sich das System aber auch per Hand. Dazu benötigt man aber wesentlich weiterführendes Wissen, schon deshalb, da die Festplatten händisch partitioniert werden müssen und doch die ein oder andere Handarbeit anfällt. Dafür lässt sich die Installation sehr gut scripten, was bei uns vor allem auf Servern zum Einsatz kommt. Man bootet von CD/DVD/Memstick, kopiert mittels scp das Installationsscript auf die Maschine, führt es aus und lehnt sich zurück. Innerhalb von Minuten hat man ein fertig installiertes Basissystem.

Dann kommt das, was bei unixoiden Betriebssystemen zumeist kommt: die Kommandozeile. Bei FreeBSD ist sehr viel Handarbeit, da im Gegenzug zu beispielsweise Ubuntu nicht wirklich „Magic“ im Hintergrund passiert. Die hervorragende Dokumentation sowie die guten Foren und Wikis helfen einem aber in den meisten Fällen weiter.

Wer FreeBSD einsetzt, kompiliert zuweilen seine Software meist selbst. Auch wenn es Packages gibt, möchte man natürlich die ein oder andere Option in seiner Software aktivieren oder auch deaktivieren. Das funktioniert einfach in simplen Konfigurationsdialogen, die beim Installieren der sogenannten Ports erscheinen.

Ports sind, einfach gesagt, Installationsscripte, die die Software herunterladen, entpacken, für FreeBSD patchen, kompilieren und installieren. Sie bestehen zur Zeit aus mehr als 20.000 einzelnen Softwarepaketen und sind meistens sehr aktuell. Darin findet man alles, was man für sein Computerleben benötigt, Textverarbeitungen, Compiler, Browser, E-Mail-Clients- und Server, aber auch Spiele.

Um seine Software komfortabel zu verwalten, bieten sich spezielle Programme, wie zum Beispiel portmaster oder das von mir eingesetzte portupgrade, an. Damit kann man einfach Ports installieren und aktuell halten.

Die Ports funktionieren gut, ab und zu lässt sich mal der ein oder andere nicht kompilieren oder durch viele Umstrukturierungsmaßnahmen wurden Ports entfernt oder umbenannt und dann fällt doch ein wenig Arbeit an. Was zu tun ist, findet man unter „/usr/ports/UPDATING“. Vor jeder Aktualisierung der Ports sollte man diese Datei lesen.

Auf dem Desktop-Rechner boote ich direkt in Slim hinein. So wird automatisch Xorg gestartet und ich bekomme einen grafischen Login. Nach der Anmeldung am System startet bei mir innerhalb Sekunden mein bevorzugter WindowManager Windowmaker.

Ich benutze FreeBSD im Desktop-Bereich zum Programmieren und für die übliche Arbeit, für die ein Computer heutzutage herhalten muss, sprich Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Grafik, Surfen, E-Mails, uvm.

Die Arbeit mit FreeBSD macht bisweilen Spaß. Auch, wenn man zunächst viel Handarbeit investieren muss, läuft das System danach rund (wir nutzen es mittlerweile auf sechs Workstations und vielen Servern) und ist äußerst komfortabel zu nutzen. Es macht, was es soll, ohne unnötig zu stören. Das Betriebssystem drängt sich nicht in den Vordergrund und ich kann mich primär um meine Arbeit kümmern, ohne laufend irgendwas fixen zu müssen oder aufgehalten zu werden. Das Aktualisieren der Ports sowie des Basissystems gehen leicht von der Hand und verläuft in den meisten Fällen absolut problemfrei. Alles an Software, was ich benötige, ist entweder dabei oder kann irgendwo heruntergeladen werden. Durch die Linuxemulation laufen auch viele Linuxprogramme direkt, die nur binär ausgeliefert werden. Auch VirtualBox ist am Start und läuft völlig problemlos.

Ich kann bisher FreeBSD als Desktop und als Server ohnehin absolut empfehlen, sofern man ein unixoides System bevorzugt.

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